Maxine und ich

 
 

Um die Geschichte von mir und MaXine zu erzählen, muss ich etwas ausholen:


Im Jahr 1989 war ich 15 Jahre alt und wohnte bei meinen Eltern unterm Dach. Zudem wohnten wir in einem Vorort von Flensburg, in dem die Busverbindungen so schlecht waren, dass ich als Jugendlicher eine ähnliche Reisefreiheit genoss, wie die Deutschen, die jenseits der damals noch teilenden Mauer wohnten. Jedes Auto ist mir damals deswegen wie eine Offenbarung vorgekommen, sozusagen in Blech gepresste Freiheit.

 

Wissenswert:

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Die meisten Autos der 80´er waren zwar alle recht hässlich und langweilig (vor allem die Japanischen, Igitt!), doch die schönen offenen Zweisitzer, die vornehmlich aus Großbritannien kamen, schienen auch damals schon ausgestorben und ihre Hersteller meistens mit ihnen. Einen erschwinglichen, schönen, Spaß machenden Zweisitzer hatte damals kein Hersteller im Angebot. In den Betonköpfen der Automobilhersteller herrschte die Meinung, dass die Kunden nur noch vernünftige und langweilige Autos haben wollten und dass die Schar deren, die noch an diesen kleinen Roadstern hingen, so gering war, wie die Chancen, dass die innerdeutsche Mauer jemals fallen würde. Wie wir aber alle wissen, geschehen ab und zu doch noch Wunder und praktisch über Nacht war die Mauer offen - genauso offen wie der Wagen, den ein japanischer Hersteller gewagt hatte, auf den Markt zu bringen. Ganz deutlich inspiriert von den alten britischen Vorbilder, dafür ohne deren Ölverlust, Elektronikproblemen und anderen britischen Krankheiten. Ein Japaner eben; kopiertes Design, zuverlässig, und ....zum ersten Mal NICHT langweilig!


Ich war sofort Hals über Ohren verliebt und war scheinbar nicht der Einzige, denn Mazda konnte gar nicht soviele MX-5 bauen wie verkaufen. Zum ersten Mal wurde eine Kopie selber zum (Kult-) Original. Einige Jahre hatte kein anderer Hersteller etwas ähnliches, bis der MX-5 eine wahre Flut von Kopien (Z3, Barchetta, SLK, MG Rover, MR2, S2000) auslöste. Aber Original bleibt eben Original und ich wusste ab jetzt, welchen Wagen ich unbedingt haben wollte!


Zwei Jahre später bekam ich endlich meinen Führerschein und mein erstes Auto – leider kein MX-5, sondern ein 1977´er VW Derby I in „Marsrot“ (eine Blechskulptur so hässlich, dass sie glatt als Kunstobjekt hätte durchgehen können). Erst wenn man ein solches Gerät er- und überlebt hat, kann man einen MX-5 richtig schätzen. Es folgten einige Jahre als Student, in denen das Auto durch eine Vespa ersetzt wurde, später der Beruf und endlich der Mazda – allerdings ein 626. Das kommt davon, wenn man statt auf seinen Bauch oder das Herz auf den Verstand hört.


Aber mit zunehmenden Bauchumfang hörte ich wieder mehr auf denselbigen und beschloss, nun endlich meinen Jugendtraum wahr werden zu lassen und begab mich auf die Suche nach einem MX-5. Allerdings waren die wenigen, die überhaupt angeboten wurden entweder völlig verbastelte Tuningobjekte oder Wagen bei denen die verschlissenen Sitze und Pedale im seltsamen Missklang zu der angegebenen geringen Laufleistung standen. Nach über einem Jahr intensiver Suche wollte ich mir dann einen aus Dänemark importierten NB „Miracle“ kaufen, und bin mit dem zu meinem lokalen Mazda-Händler gefahren. Eigentlich wollte ich mich nur bei ihm erkundigen, was ein Hardtop bei ihm kosten würde. Nun ja, dort stand ein nagelneuer NB-FL als Sondermodell „Memories III“ und ich war verloren! Liebe auf den ersten Blick oder beginnende Mid-Life-Crisis; auf den Tag genau an meinem 30. Geburtstag wurde meine junge Liebe zum ersten Mal angemeldet und von mir abgeholt und ich bin bis heute verliebt wie am ersten Tag.


Inzwischen habe ich Berufe, Wohnorte und auch Partnerinnen gewechselt - MaXine dagegen bleibt die Konstante in meinem Leben. Benannt habe ich MaXine übrigens nach der kühlen, aber begehrenswerten Maxine aus Spike Jonzes „Beeing John Malkovich“ (einem der besten Filme der 90´er Jahre). Wahrscheinlich, weil sie ähnlich kalt (zumindest was das Blech angeht), verführerisch und gleichzeitig so kostspielig und pflegebedürftig sein kann. Aber so sind leidenschaftliche Beziehungen nun mal!


























Meine beiden Lieben vereint auf dem MX-5 „Treffen in der Mitte“ in Hannoversch-Münden 2008.








                                             
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Bei der Übergabe am 01.10. 2004, vom Händler fotografiert.